"Schüler haken nach"

Landtagswahl: Jugendliche befragen Abgeordnete zu Turbo-Abi und Bildungschancen


DARMSTADT-DIEBURG. Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Bildungspolitik“ veranstaltete der Kreisschülerrat Darmstadt-Dieburg im Kreistagssitzungssaal des Landratsamtes Darmstadt-Dieburg. Das Podium bildeten die Landtagsabgeordneten Günter Schork (CDU), Michael Siebel (SPD), Dorothea Henzler (FDP) und Matthias Wagner (Grüne). Rund 190 Schüler waren gekommen, um mehr über die Positionen der Parteien zu bildungspolitischen Themen zu erfahren. Die Politiker durften jeweils bis zu drei Minuten lang auf eine Frage antworten – wurden diese überschritten, ertönte ein Pausengong.

In einer ersten Diskussionsrunde beantworteten die Politiker Fragen des Kreisschülerrats zur „Unterrichtsgarantie plus“ und zum Modell des längeren gemeinsamen Lernens bis zur neunten oder zehnten Jahrgangsstufe. Auch die Standpunkte der Politiker zur Einführung zentraler Abschlussprüfungen in Hessen und zur G 8-Regelung mit nur zwölf Schuljahren bis zum Abitur standen auf der Tagesordnung.

Die Umsetzung von G 8 in Hessen sahen alle Parteienvertreter kritisch oder verbesserungswürdig. Wagner bezeichnete sie sogar als „unverantwortlichen Feldversuch an den hessischen Schülern“. Nachbesserungen seien auf jeden Fall nötig. In einer zweiten Runde hakten die im Publikum sitzenden Jugendlichen selbst nach. Heftig diskutiert wurde dabei vor allem die Frage eines Realschülers, weshalb die soziale Herkunft eines Kindes in Deutschland häufig seinen Bildungsgang festlege. Während Schork die Ursache hierfür eher im Elternhaus als in schulpolitischen Konzeptionen sah, betonte Siebel die Möglichkeit, solche scheinbar vorgezeichneten Biografien durch gezielte und frühe Förderung zu durchbrechen.

Auch Henzler schreibt dem Elternhaus große Verantwortung zu, „doch leider nehmen heute viele Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht mehr ernst. Deshalb müssen wir die Kinder schon möglichst früh über Tagesstätten erreichen und später in Ganztagsschulen betreuen.“

Interessiert fragten die Neunt- bis Elftklässler auch bei den Themen Religionsunterricht, Studiengebühren und Finanzierung der Lehrmittel nach. Kreisschulsprecherin Vivien Costanzo (17) zog ein positives Fazit: „Wir sind zufrieden, freuen uns, dass die Schüler die ganze Zeit über konzentriert zugehört und vor allem engagiert nachgefragt haben.“


(Quelle: Darmstädter Echo vom 05.11.2007, kma)
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